• Wettbewerber investieren erstmals seit 2015 wieder mehr als die Deutsche Telekom
  • 80 Prozent des Netzausbaus werden eigenwirtschaftlich ohne staatliche Fördermittel realisiert
  • Bereits mehr als ein Drittel aller Ausbauprojekte werden im Rahmen von Kooperationen umgesetzt
  • Festnetzanschlüsse werden auch künftig nicht durch den Mobilfunk ersetzt

Der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) hat heute zusammen mit dem renommierten Telekommunikationsexperten und Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Jens Böcker die gemeinsam erhobenen Marktdaten zur aktuellen Lage auf dem Telekommunikationsmarkt vorgestellt. Im Rahmen eines Pressegesprächs präsentierte Prof. Böcker die wichtigsten Ergebnisse der BREKO Marktanalyse19 und nahm eine wissenschaftliche Bewertung und Einordnung vor.

Positive Botschaft und klares Signal: Die mittlerweile mehr als 190 Netzbetreiber des BREKO haben 2018 so viel in den Telekommunikationsmarkt investiert wie noch nie: Sie leisteten Investitionen von rund 2,5 Milliarden Euro – und übertrafen die Vorjahresprognose des BREKO (2,2 Milliarden Euro) damit deutlich.

Erstmals seit 2015 stemmen alle Wettbewerber der Deutschen Telekom wieder den größten Teil der TK-Investitionen: Sie investierten 2018 insgesamt 4,6 Milliarden Euro (Telekom: 4,4 Milliarden Euro).

Die Gesamtinvestitionen in den deutschen TK-Markt sind im vergangenen Jahr deutlich angestiegen und lagen bei 9 Milliarden Euro (plus 6 Prozent). Nach Überwindung der „Vectoring-Delle“ erwarten der BREKO und Prof. Böcker eine Fortschreibung dieses positiven Trends, da der – auch von der Nachfrage zunehmend forcierte – zwingend notwendige Infrastrukturwechsel hin zu direkten Glasfaseranschlüssen bis mindestens in die Gebäude für anhaltend hohe Investitionen sorgen wird.

Die BREKO-Netzbetreiber haben den Ausbau mit Glasfaseranschlüssen bis in die Gebäude (FTTB) oder bis direkt zum Nutzer (FTTH) auch im vergangenen Jahr maßgeblich vorangetrieben: Sie stellen rund 2,8 Millionen (56 Prozent) der zurzeit etwa 5 Millionen verfügbaren Glasfaseranschlüsse. Dies entspricht fast 70 Prozent aller von den Wettbewerbern des Ex-Monopolisten Deutsche Telekom realisierten Glasfaseranschlüsse.

Dabei haben die Carrier des BREKO rund 80 Prozent aller Ausbauprojekte eigenwirtschaftlich – also ohne Inanspruchnahme staatlicher Fördergelder – realisiert. Nur etwa 20 Prozent aller Breitbandausbauten wurden/werden mit Hilfe von Fördermitteln umgesetzt.

Alle deutschen Wettbewerber stellen derzeit rund 4,1 Millionen reine Glasfaseranschlüsse und zeichnen damit für 82 Prozent aller direkten Glasfaseranschlüsse bis mindestens in die Gebäude (FTTB/FTTH) verantwortlich (Deutsche Telekom: 18 Prozent).

Die BREKO Marktanalyse19 zeigt: Kooperationen beim Glasfaserausbau werden immer wichtiger. Schon heute werden mehr als ein Drittel (36 Prozent) aller Ausbauprojekte von BREKO-Mitgliedsunternehmen in Kooperation mit einem oder mehreren weiteren Netzbetreibern realisiert. Für die kommenden fünf Jahre planen sogar fast drei Viertel (72 Prozent) aller BREKO-Carrier entsprechende Kooperationen beim Ausbau mit zukunftssicherer Glasfaser.

„Kooperationen verhindern volkswirtschaftlich unsinnigen Doppelausbau und beschleunigen den flächendeckenden Glasfaserausbau in Deutschland“, sagt Telekommunikationsexperte Prof. Jens Böcker. „Dabei erleichtern Open-Access-Plattformen wie die BREKO Handelsplattform die Zusammenarbeit, tragen zur besseren Auslastung vorhandener Glasfasernetze bei und können den Glasfaserausbau auf diese Weise schneller voranbringen.“

Insgesamt steigt die Zahl der verfügbaren, direkten Glasfaseranschlüsse (FTTB/FTTH) in Deutschland seit Jahren stabil an (nun 11,2 Prozent). Demgegenüber haben die deutschen Kabelnetzbetreiber im vergangenen Jahr praktisch keinen neuen Ausbau mehr betrieben: Die Zahl an Haushalten, denen ein Kabel-Breitbandanschluss mit 50 MBit/s oder mehr zur Verfügung steht, stagniert im Vergleich zum Vorjahr (63,9 Prozent). Die Zahl der verfügbaren (V)DSL-Anschlüsse hat im Zuge des Vectoring-Ausbaus insbesondere der Deutschen Telekom deutlich zugelegt (65,8 Prozent).

BREKO-Präsident Norbert Westfal kommentiert: „Die BREKO Marktanalyse belegt: Der nachhaltige, zukunftssichere Ausbau mit echten Glasfaseranschlüssen (FTTB/FTTH) vollzieht sich in erster Linie auf lokaler beziehungsweise regionaler Ebene und wird ganz wesentlich von den Netzbetreibern des BREKO vorangetrieben.“ Westfal weiter: „Die Geschäftsmodelle für den eigenwirtschaftlichen Ausbau sind gefunden. Nicht zuletzt hat der Finanzmarkt die Attraktivität des Glasfaserausbaus erkannt und beteiligt sich immer häufiger mit erheblichen Summen an Netzbetreibern. Fördergelder werden nur dort benötigt – und sollten auch nur dort bereitgestellt werden –, wo ein eigenwirtschaftlicher Glasfaserausbau tatsächlich nicht wirtschaftlich darstellbar ist. Bund und Länder sollten den Markt daher nicht mit Fördergeldern fluten.“

BREKO-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers unterstreicht in diesem Zusammenhang: „Bevor wir nun mit einem weiteren Förderprogramm über die Schließung so genannter ‚grauer Flecken‘, also Gebieten, in denen noch keine gigabitfähigen Netze vorhanden sind, nachdenken, sollten zunächst die ‚weißen Flecken‘ geschlossen werden – erst recht vor dem Hintergrund äußerst knapper Kapazitäten beim Tiefbau. Damit würde auch dem Ziel der Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Stadt und Land Rechnung getragen. Geld allein baut keine Glasfasernetze.“

Die Nachfrage nach (sehr) hohen sowie symmetrischen Bandbreiten steigt nach den aktuellen Zahlen des BREKO insbesondere bei Geschäftskunden weiter massiv an: Bis 2025 wird der durchschnittliche Bedarf hier bei gut 1,3 GBit/s im Down- und 1,1 GBit/s im Upstream liegen.

Doch auch bei Privatkunden geht der Trend in puncto Bandbreiten in Richtung Symmetrie: Bis 2025 prognostiziert der BREKO eine durchschnittliche Nachfrage von mehr als 500 MBit/s für Down- und gut 220 MBit/s für Uploads.

Die steigende Nachfrage nach hohen Bandbreiten schlägt sich in den Ergebnissen der BREKO Marktanalyse19 bereits nieder: Die Zahl schneller Anschlüsse mit mindestens 100 MBit/s legte von 2017 auf 2018 um fünf Prozentpunkte (plus 1,9 Mio. Anschlüsse) auf einen Gesamtanteil von 20 Prozent aller Anschlüsse zu. Zeitgleich sank die Zahl der Anschlüsse mit maximal 10 MBit/s (minus 1,2 Mio.) sowie maximal 30 MBit/s (minus 1,7 Mio.) im Vergleich zum Vorjahr deutlich.

Das im Festnetz übertragene Datenvolumen hat sich von 39 Milliarden Gigabyte (GB) im Jahr 2017 auf 52 Milliarden GB im Jahr 2018 erhöht. Pro Anschluss und Monat stieg das Datenvolumen von 98 GB auf 128 GB. Bis 2025 erwartet der BREKO eine weitere erhebliche Steigerung der Volumina: Pro Anschluss werden dann durchschnittlich 825 GB pro Monat übertragen.

Ein weiteres klares Ergebnis der BREKO Marktanalyse19: Festnetzbasierte Internetanschlüsse werden auch in Zukunft nicht durch qualitativ deutlich schlechtere Mobilfunkanschlüsse substituiert. „Das Festnetz in Deutschland ist quicklebendig“, sagt BREKO-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers. „Das belegen die aktuellen Zahlen eindeutig: Zum einen ist die Zahl an Festnetzanschlüssen weiterhin steigend (plus 1,8 Mio. in den vergangenen drei Jahren – aktuell: 38,82 Mio. Festnetzanschlüsse), zum anderen nutzen in Deutschland zurzeit nur rund 3 Prozent aller Haushalte ausschließlich Mobilfunk für den Internetzugang.“

„Diese Entwicklung wird sich auch mit der sukzessiven Einführung von 5G in den kommenden Jahren nicht ändern“, ist Prof. Jens Böcker überzeugt. „Vielmehr werden festnetzbasierte Glasfaseranschlüsse eine qualitativ weit überlegene Basis-Infrastruktur darstellen, die von 5G für die mobile Nutzung sinnvoll ergänzt wird. Für leistungsfähiges 5G braucht es aber zwingend eine Glasfaseranbindung aller Mobilfunkantennen, die in den Mobilfunknetzen heute bei weitem noch nicht flächendeckend vorhanden ist“, mahnt Prof. Böcker.

Für die BREKO Marktanalyse19 wurden deutschlandweit alle Netzbetreiber des BREKO befragt. Es konnten Daten von mehr als 90 Prozent aller BREKO-Netzbetreiber verwendet werden. Daneben wurden Daten öffentlich zugänglicher Quellen zur Verifizierung sowie zur Ermittlung von Gesamtmarktzahlen herangezogen. Die Recherche der Marktdaten sowie die Analyse der Befragungsergebnisse wurden von der Strategieberatung Böcker Ziemen Customer Insight Consultants gemeinsam mit dem BREKO durchgeführt.

 

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