1. September 2026

4. Glasfaserforum Sachsen: Politik und Branche ebnen gemeinsam den Weg vom Netzausbau zur konkreten Nutzung

Leipzig, 1. September 2026 – Die Zeit rein quantitativer Ausbauversprechen in der Glasfaserbranche ist vorbei. Auf dem 4. Sächsischen Glasfaserforum in der Kongresshalle am Zoo Leipzig am 1. September 2026 trafen sich über 130 Vertreterinnen und Vertreter aus Telekommunikationsbranche, Landes- und Kommunalpolitik. Bei der gemeinsamen Veranstaltung vom Bundesverband Breitbandkommunikation e.V. (BREKO) und der Leipziger Messe machte die Branche deutlich: Der Fokus verlagert sich von reinen Ausbaukennzahlen hin zur tatsächlichen Netzaktivierung, Wirtschaftlichkeit und konkreten Nutzung.

Markus Geisenberger, Geschäftsführer der Leipziger Messe, eröffnete die Veranstaltung. Leipzig sei mit dem Glasfaserforum mittlerweile ein etablierter Treffpunkt, der Branchenakteure, Politik und Kommunen zusammenbringt, um den Netzausbau und moderne Dateninfrastrukturen gemeinsam voranzutreiben. Durch das anschließende Programm führte Daniel Seufert vom BREKO.

Neue Akzente im Telekommunikationsgesetz

Die rechtlichen und politischen Leitplanken bildeten den Schwerpunkt der Fachbeiträge. Marina Kühnle vom Referat für Telekommunikationsrecht des Bundesministeriums für Digitalisierung und Staatsmodernisierung (BMDS) ordnete den aktuellen Stand des TKG-Änderungsgesetzes im laufenden parlamentarischen Verfahren ein. Ziel der Novelle sei es, „Genehmigungs- und Ausbauverfahren drastisch zu beschleunigen und pragmatischer zu gestalten.“

In der anschließenden Podiumsdiskussion zum Thema „Vom Ausbau zum Umsatz – wie wird Glasfaser zum profitablen Geschäft?“ beleuchtete Moderator Daniel Seufert gemeinsam mit Marius Dallmann (Geschäftsführer PŸUR Business), Thorsten Anding (Managing Partner LATUS consulting) und Michael Fritzsch (Hauptabteilungsleiter Telekommunikation bei eins energie) die aktuellen Hürden aus Sicht der Branche. Als größte Herausforderungen, um Kundinnen und Kunden erfolgreich auf das neue Netz zu bringen, identifizierte die Runde den gestiegenen Kostendruck und das richtige Timing. Michael Fritzsch betonte, dass der Zeitpunkt für den Umstieg auf Glasfaser jetzt gekommen sei und dieser Wandel von Verbrauchern wie Unternehmen aktiv mitvollzogen werden müsse. Um diese Akzeptanz zu fördern, hob er zudem die Bedeutung offener Netze hervor: „Open Access ist zwingend notwendig für Kunden, um die Auswahl zu haben. Das ist für uns die Grundlage.“

Sächsische Staatskanzlei setzt auf digitale Souveränität und eigene Rechenzentren

Dass Dateninfrastruktur und Netzausbau Hand in Hand gehen müssen, verdeutlichte Jörg Schneider, Referatsleiter in der Sächsischen Staatskanzlei. Sachsen investiert deshalb gezielt in den Aufbau einer landeseigenen Rechenzentrumsinfrastruktur. Der Bau des ersten Rechenzentrums in Dresden hat in diesem Jahr begonnen, der zweite Standort in Kamenz folgt im kommenden Jahr. Lokale Infrastruktur zu nutzen sei das „Fundament für unsere digitale Souveränität, insbesondere vor dem Hintergrund ausländischer Tech-Giganten“, betonte Schneider. Dies sichere der Verwaltung die technische und operative Unabhängigkeit sowie die volle Kontrolle über Daten und IT-Architektur. Sensible Bürger- und Verwaltungsdaten, wie etwa Polizeiakten oder Steuerdaten, verblieben dabei streng getrennt in den jeweiligen Zuständigkeitsbereichen im Einklang mit der DSGVO.

Die Einschätzung, dass regionale Rechenzentren immer wichtiger werden, teilten Dr. Martin Leipziger, Director Strategic Product Management, und Malte Klass, Director Business Intelligence & Data Science von PŸUR Business in ihrem Vortrag zur lokalen KI-Infrastruktur. Datenschutz, KRITIS-Souveränität und Kostenkontrolle sprechen für „Self Hosting“ und regionale Rechenzentrumskapazitäten.

End-to-End-Steuerung und Wechselbereitschaft als Schlüssel zum Erfolg

Thorsten Anding, Managing Partner der LATUS consulting, beleuchtete die operative Transformation des Netzausbaus. Der Glasfasermarkt vollziehe aktuell einen Wechsel seiner Erfolgslogik – weg von reinen Bauquoten hin zur nachhaltigen Monetarisierung („from build to yield“). Zwar bleibe der Bau die Grundvoraussetzung, die Rendite entscheide sich jedoch über Netzauslastung, Effizienz und Vertrauen. Investoren honorieren diese Neuausrichtung und vergeben Kapital zunehmend selektiver.

Die Ursache für stagnierende Nutzungsquoten liegt meist an den Hürden beim Anbieterwechsel. „Glasfaser gewinnt nicht mit Bandbreite, sondern wenn Risiko und Aufwand des Wechsels sichtbar kleiner werden“, betonte Anding. Die Branche müsse die Wechselprozesse für Kundinnen und Kunden organisatorisch vereinfachen, die regionale Reputation nutzen und den Erfolg an einer durchgängigen End-to-End-Steuerung messen – von der ersten Investition bis zum tatsächlichen Umsatz. Zudem wies Anding darauf hin, dass rund 85 Prozent der KI-Projekte in der Telekommunikationsbranche den Schritt in den produktiven Vertrieb derzeit noch vor sich hätten.

Glasfaser macht Dialog möglich

Dass Glasfasernetze die Voraussetzung für nutzerzentrierte Innovationen sind, verdeutlichte Christian Atz von Bona Mondo. Er stellte KIKO vor, einen personalisierten KI-Chatbot, der insbesondere älteren, alleinlebenden Menschen echte Gespräche ermöglichen soll. Dafür ist eine latenzfreie Glasfaseranbindung essenziell, da Verzögerungen bei Sprachdialogen direkt zu Unsicherheit auf Anwenderseite führen. Christian Atz brachte das Zusammenspiel von Netz und Anwendung prägnant auf die Formel: „Glasfaser schafft die Verbindung – KIKO macht daraus einen Dialog.“

Der Branchen-Dialog wird im kommenden Jahr fortgesetzt: Das 5. Glasfaserforum Sachsen wird im kommenden Jahr im Rahmen der netze:ON – Fachmesse für intelligente Energienetze und digitale Infrastruktur stattfinden, die vom 21. bis 23. September 2027 in der Messe Leipzig geplant ist.

Über den BREKO

Als führender Glasfaserverband mit mehr als 550 Mitgliedsunternehmen setzt sich der Bundesverband Breitbandkommunikation e.V. (BREKO) erfolgreich für den Wettbewerb im deutschen Telekommunikationsmarkt ein. Seine Mitglieder setzen klar auf die zukunftssichere Glasfaser und zeichnen für mehr als die Hälfte des Ausbaus von Glasfaseranschlüssen in Deutschland verantwortlich. Die über 260 im Verband organisierten Telekommunikations-Netzbetreiber versorgen sowohl Ballungsräume als auch ländliche Gebiete mit zukunftssicheren Glasfaseranschlüssen. Im Jahr 2024 haben sie dafür 4,9 Milliarden Euro investiert. Weitere Informationen finden Sie unter brekoverband.de.

Pressekontakt

Lea Köster
presse@brekoverband.de
+49 176 300 20 948